Mittwoch, 19. Oktober 2016

Herbstgedicht

Am Wochenende hatten wir eine schöne Session im Seniorenzentrum Frauenland in Würzburg.
Dieses schöne Gedicht ist mit Menschen mit Demenz entstanden.
Vielen Dank an die Alzheimergesellschaft Würzburg, die uns diesen schönen Nachmittag möglich gemacht hat.
Foto: Marvin Ruppert

 
Was ich am Herbst mag?

Ich? Ich bin Krankenschwester,
da sieht man wenig von den Jahreszeiten.
Birnen zupft man und die macht man dann ein:
mit Zimt&Zucker, wie jede_r es mag.

Wenn ich mich zwischen Sommer und Herbst entscheiden,
wähle ich den Herbst, denn da gibt es bunte Blätter und goldenen Oktober.

Im Herbst? Da habe ich immer Arbeit.
In meinem Garten in Versbach musste ich das ganze Laub zusammenharken.
Doch schön war, dass alle mit dabei waren:
meine Frau und alle meine Kinder haben mitgeholfen.

Ich komme vom Dorf und zwar aus Franken.
Da gibt es sol viele Dialekte,
dass man einander nicht verstehen kann.
Aber wenn es um die Ernte ging,
sprachen alle dieselbe Sprache:
„Holt das Getreide ein!“

Ich habe im Herbst immer Erntedankfest gefeiert.
Da haben wir getanzt, bis die Füße nicht mehr wollten.
Herren- oder Damenwahl: das war beides schön.

In der kalten Jahreszeit gibt es für mich nichts zu feiern,
denn da ist mir viel zu kalt.
Woher ich Äpfel hab ohne Garten?
Na, aus dem Supermarkt!

Wir freuen uns auf laue bunte Tage nach dem heißen Sommer.
Wir mögen die Natur im Herbst so sehr,
denn da können wir stupfeln:
Da naschen die Dorle und die Maria gemeinsam die Birnen, die nicht geerntet wurden.
Wir zwei waren dabei unschlagbar!
Hach, wie schön, der Herbst ist da!

Dienstag, 3. Mai 2016

DASMAXIMUM Traunreut

Jedes Jahr im April verbringen wir eine ereignissreiche Woche in Traunreut im Museum DASMAXIMUM.
Der Stifter des Museums entdecke in den 60-ern Künstler wie Warhol und Flavin.

Wir dürfen mit den ausgestellten Kunstwerken und Menschen aus den schiedenen Bereichen kreativ arbeiten. Zu jedem Kunstwerk stellen wir dazu passende Gedichte vor, reden über Kunst und Literatur und schreiben zum Schluss gemeinsam mit den Teilnehmenden ein gemeinsames Gedicht.

Foto: Franz Kimmel

Dienstag, 15. März 2016

Radio


(Ein Gedicht geschrieben unter Anleitung von Henrikje Stanze und Pauline Füg bei einem Projekt mit dem Stuttgarter Schriftstellerhaus mit den Bewohner_innen des Pflegezentrums Bethanien/Stuttgart)

Ein Radio ließ mich überall was hören,
aus Stuttgart und aus der Schweiz,
die Sportsendung über den Stuttgarter Fußball.

Ich höre noch, wie wir gewannen.
Da kommt er von rechts, passt nach vorn,
eine Schwalbe und da -
TOOOOR!

Und wenn ich an dem Radio saß,
pfiff ich laut zur klassischen Musik
und hatte meine Platz in Ruhe auf dem Sofa daheim.

Ich hörte einfach alles an Musik,
Sport fand ich ziemlich öde,
doch am liebsten spielte ich mein eigenes Konzert auf dem Klavier,
so reiste ich gedanklich durch die Welt
begleitet von tosendem Applaus und
beiden Händen voller Schokolade
als Lohn für meine künstlerischen Klänge.

Wenn ich zum Konzert ging, trug ich schicke Kleider.

Meine fünf Schwestern machten alle Krach,
während sie beim Üben mit den Fingern auf die Tasten hämmerten.
Doch was man anfängt, das zieht man durch,
egal wie es für die Ohren klingt.

Einen Volksempfänger kenne ich sehr gut,
da saß ich als Kind sehr viel davor,
drum kenn ich viele Lieder,
die ich auf der Mundharmonika dann nachspielte.

Sonntags kam das Harfenkonzert,
ich hörte es,
wenn ich nicht gerade selbst im Chor sang.
Doch das Wichtigste bei alledem ist,
dass wir es gemeinsam machen,
denn nur so macht Teilen Spaß!

Montag, 26. Oktober 2015

Fachtagung für Menschen mit Beeinträchtigung

Es war ein voller Erfolg war  unsere Fachtagung an der Robert-Kümmert-Akademie.

Eines der Gedichte, die mit den Teilnehmer_innen entstanden sind:

Heimat - eine Person die man liebt.
Das kann die Familie sein, Mama, Papa oder auch Geschwister.
Heimat kann aber auch der Freund oder die Freundin sein.

Verliebt sein.
Manche haben ihren Partner schon 9 oder 25 Jahre.
Manche kennen sich schon seit der Schulzeit -
da hat es einfach gefunkt.

Manchmal sind keine Worte nötig,
denn Blicke sagen oftmals mehr als tausend Worte.
Man bekommt Herzrasen, Bauchkribbeln, Schmetterlinge im Bauch.

Zusammen kann man viel unternehmen.
In die Stadt gehen, etwas Essen, zusammen ins Autokino,
romantische Momente.
Auch mal zusammen eine Schwarzwälder Kirschtorte backen.
Sich verloben und heiraten wollen.

Heimat kann auch das Waldpiratencamp in Heidelberg sein.
Alte Freunde und neue Leute kennenlernen.
Oder die Herzenssache, weil ich dort Menschen glücklich machen kann.

Oft sieht man sich nur selten -
dann hat man Sehnsucht nacheinander.
Man vermisst die beruhigende Stimme des anderen,
fühlt sich nicht vollständig.
Manchmal sind die Menschen die man liebt auch auf anderen Kontinenten -
zum Beispiel in Amerika.

Aber die Personen, die man vermisst,
sind immer tief im Herzen drin.
Wiedersehensfreude.

Heimat ist wo man sich wohl fühlt,
wo meine Vertrauenspersonen sind,
wo mein Schatz ist.

Heimat trägt man immer im Herzen.

Montag, 20. April 2015

WORT:BILDER im Museum DASMAXIMUM in Traunreut


Heute hatten wir eine tolle WORT:BILDER-Session im Museum DASMAXIMUM in Traunreut. Die Schüler_innen der Klasse 5c und wir hatten viel Spaß. Gemeinsam haben wir das folgende Gedicht über geheime Dinge geschrieben

Begrüßung in der Sonne

Geheime Dinge

Ich esse Nutella und Honig mit dem Esslöffel aus dem Glas
Solange bis mir schlecht wird
Und ich, ich lecke den Teller ab
Aber am liebsten bleibe ich länger wach als meine Eltern es erlauben

Und später gibt´s Kaba ohne Milch
und nichts bleibt an den Zähnen hängen
Zitronengeschmack und Krümeltee pur und eine handvoll direkt in den Mund
während ich heimlich Horrorfilme schaue

Angst bekomme ich trotzdem
Aber es ist ein Abenteuer

Zehn Elf Zwölf Eins Zwei
sind keine Uhrzeiten für mich
Ins Bett gehe ich später als meine Eltern
und spiele heimlich Handyspiele unter der Decke
genieße die Süßigkeiten aus meinem Geheimversteck
und schleiche manchmal mit meinem Cousin in die Küche
um noch mehr Süßigkeiten zu klauen
einmal wurden wir erwischt
weil er Krach gemacht hat

Ich erhitze Nutella und lasse es langsam meine Kehle runterfließen

Und auf den Stöckelschuhe meiner Mutter laufe ich mit drei Paar Socken durch die Welt
und beiße in eine Zitrone
das klappt mit Training
- denn sauer macht das Leben lustig

Geheime Botschaften